Stützstrümpfe, Kompressionsstrümpfe und Thrombosestrümpfe

Ein Mensch legt in seinem Leben durchschnittlich 100.000 km zu Fuss zurück. Dafür müssen die Venen Schwerstarbeit vollbringen, sind sie doch dafür verantwortlich, stetig Blut von den Beinen zurück zum Herzen zu transportieren. Stützstrümpfe, Kompressionsstrümpfe und Thrombosestrümpfe können die Venen bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen.

Jeden Tag durchlaufen etwa 7.000 Liter Blut den menschlichen Blutkreislauf. Während die Arterien das Blut in den Körper pumpen, sorgen die Venen für einen stetigen Blutrückfluss zum Herzen. Vor allem die Blutgefässe in den Beinen werden bei diesem Prozess stark belastet, da das Blut entgegen der Schwerkraft fliessen muss. Bei einer Venenschwäche kann es daher schnell zu geschwollenen Beinen aufgrund eines Blutstaus kommen. Doch auch Besenreiser, Krampfadern oder gar Thrombosen sind Symptome einer Venenerkrankung.

Zur Vorbeugung gegen Schmerzen in den Beinen, aber auch zur Therapierung bei Venenerkrankungen sollten spezielle Strümpfe getragen werden. Es wird zwischen Stützstrümpfen, Kompressionsstrümpfen und Thrombosestrümpfen unterschieden. Doch was zeichnet die drei Varianten aus und für wen sind sie geeignet? Erfahren Sie ausserdem, welche Kompressionsstärke die passende für Ihre Bedürfnisse ist und wie Sie Ihre Venen nicht nur mit den richtigen Strümpfen, sondern auch mit einfachen Übungen unterstützen können.


 

Stützstrümpfe – perfekt zur Prophylaxe


Welche Wirkung haben Stützstrümpfe und für wen sind sie geeignet?

Stützstrümpfe haben vor allem einen vorbeugenden Effekt. Sie fördern die Blutzirkulation und verhindern so das Gefühl schwerer Beine und das Anschwellen der Knöchel. Auch können sie der Entstehung einer Thrombose entgegenwirken. Stützstrümpfe sind optimal geeignet für Reisen, bei denen eine lange Autofahrt oder ein mehrstündiger Flug anstehen, sowie für Anlässe, bei denen man viel stehen muss und wenig Raum zur ausreichenden Bewegung hat. Auch für Schwangere ist das Tragen von Stützstrümpfen empfehlenswert, da die hormonellen Umstellungen und die zunehmenden körperlichen Belastungen die Entstehung von Besenreisern und Ödemen fördern.

Stützstrümpfe sollten jedoch nicht von Menschen mit einer medizinisch attestierten Venenschwäche, sondern ausschliesslich von Menschen mit gesunden Venen getragen werden. Der Grund liegt in der Materialzusammensetzung und der damit verbundenen Kompression: Stützstrümpfe verfügen über keinen kontrollierten Druckverlauf und zeichnen sich durch eine leichte Kompression, die noch unter Kompressionsklasse 1 von medizinischen Kompressionstrümpfen liegt, aus.


 

Wie findet man die richtige Grösse und Passform?

Während man beim Kauf von Kompressionsstrümpfen zum Arzt oder ins Sanitätshaus gehen muss, damit die Beine vermessen werden, sind Stützstrümpfe frei verkäuflich. Da sie nicht vom Arzt verschrieben werden, übernimmt die Krankenkasse allerdings auch keine Kosten. Beim Kauf von Stützstrümpfen ist auf die Wahl der richtigen Grösse zu achten, da sonst der gewünschte Effekt nicht erzielt werden kann. Bei der Grössenangabe kommt es ganz auf den Hersteller an. Einige Stützstrümpfe werden nach Wadenumfang gemessen, andere richten sich nach der Schuhgrösse. Befinden Sie sich im Übergangsbereich zwischen zwei Grössen, empfehlen wir Ihnen, eher zur kleineren Grösse zu greifen, da die Stützstrümpfe auf keinen Fall rutschen sollten. Auch Stützstrümpfe in Einheitsgrössen sind nicht ungewöhnlich. Sie eignen sich vor allem für Menschen mit einem Wadenumfang und einer Schuhgrösse, die der Norm entsprechen. In der Regel sind die definierten Normwerte des Herstellers auf dem Strumpf angegeben. Ob dieser letztendlich der passende für Sie ist, erkennen Sie daran, dass er weder einschneidet noch rutscht und das Bein an keiner Stelle abschnürt und so Schwellungen hervorruft.


 

Medizinische Stützstrumpfhosen für Damen – die perfekten Begleiter im Büroalltag

Hätten Sie gedacht, dass Prophylaxe nicht nur mit klassischen Stützstrümpfen, sondern auch mit eleganten Stützstrumpfhosen betrieben werden kann? Diese sind besonders für berufstätige Damen geeignet, die im Büroalltag viel am Schreibtisch sitzen müssen und dabei gerne einmal ihre Beine übereinander schlagen. Diese Angewohnheit ist belastend für die Venen, da sie dadurch abgequetscht werden können. Eine Strumpfhose mit Stützeffekt sorgt hier für eine optimale Blutzirkulation, indem sie den ganzen (Arbeits-)Tag über zuverlässig einen gleichmässigen Blutdruck und damit eine bessere Durchblutung sicherstellt. Medizinische Stützstrumpfhosen sind nicht nur in vielen Farbvarianten, sondern auch in unterschiedlichen Dernier-Stärken erhältlich, sodass sie jedes Outfit mit dem gewünschten Mass an Transparenz ergänzen.


 

Wie lange sollte ein Stützstrumpf getragen werden?

Da Stützstrümpfe nur der Vorbeugung von Beschwerden dienen und ausschliesslich von Menschen mit gesunden Venen getragen werden sollten, ist der Griff zum Stützstrumpf nur im Vorfeld von bestimmten Situationen wie einer langen Reise erforderlich. Der Strumpf kann ausgezogen werden, sobald diese Situation vorüber ist und die Kleidung ohnehin gewechselt wird.


 

Stützstrümpfe mal anders: Modelle mit Reissverschluss oder Steg

Klassische Stützstrümpfe sehen wie Kniestrümpfe aus, haben somit einen kniehohen Schaft, und sind aus einem elastischen Materialmix gefertigt. Doch trotz eben dieser Elastizität kann sich das Anziehen des engen Strumpfes als schwierig herausstellen, vor allem während der Schwangerschaft oder im Sommer, wenn die Beine und Füsse bereits morgens leicht angeschwollen sind. Ein seitlicher Reissverschluss kann das Anziehen erleichtern, auf empfindlicher Haut allerdings auch zu Druckstellen führen. Zudem sind Stützstrümpfe mit Reissverschluss dicker als herkömmliche Exemplare – wunderbar für die kalten Wintermonate, an heissen Sommertagen eher unangenehm. Für die warme Zeit des Jahres sind daher Stützstrümpfe mit Steg empfehlenswert. In ihnen können die Füsse frei atmen, da Zehen und Ferse nicht mit Stoff bedeckt sind.


 

Kompressionsstrümpfe zur Venentherapie und beim Sport


Was macht medizinische Kompressionsstrümpfe aus und bei welchen Beschwerden helfen sie?

Medizinische Kompressionsstrümpfe sind ein zentraler Bestandteil einer Kompressionstherapie bei Venenerkrankungen, da sie eine nachweislich medizinische Wirkung haben. Im Gegensatz zu Stützstrümpfen sind sie sehr fest gewebt und üben daher einen besonders hohen Druck auf die Beinvenen aus, sodass sich deren Durchmesser beim Tragen erheblich verringert. Zudem verfügen sie über einen kontrollierten Druckverlauf, das heisst, sie sind so gefertigt, dass der ausgeübte Druck von oben nach unten zunimmt – ganz in Anlehnung an den schwerkraftbedingten Gewebedruck in den Beinen. So sorgen sie für eine verbesserte Blutzirkulation und sind daher bei Varizen, also Krampfadern, sehr empfehlenswert. Auch bei Venenentzündungen, Ödemen oder einer chronischen venösen Insuffizienz ist eine Kompressionstherapie mit medizinischen Kompressionstrümpfen ratsam. Ein weiterer Anwendungsbereich liegt in der Kompressionstherapie bei Patienten mit Lipödemen. Dabei handelt es sich um eine Fettverteilungsstörung an Ober- und Unterschenkeln sowie im Hüftbereich, die fast ausschliesslich bei Frauen vorkommt. Medizinische Kompressionsstrümpfe oder Kompressionsstrumpfhosen können dazu beitragen, dass sich das Lipödem nicht weiterentwickelt.


 

Die richtige Kompressionsklasse für Ihre Bedürfnisse


 

 

Medizinische Kompressionsstrümpfe sind nicht frei verkäuflich. Sie werden von einem Spezialisten für Phlebologie, also einem Facharzt für die Erkennung und Behandlung von Gefässerkrankungen, verordnet. Er stellt die Diagnose und verordnet dann das Tragen eines Strumpfes in der benötigten Kompressionsklasse. Diese Form der Kompressionstherapie wird in der Regel von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Es gibt vier verschiedene Kompressionsklassen:

  • Klasse 1 zeichnet sich durch eine mässige Kompression von 18 bis 21 mmHg aus und wird beispielsweise bei einer leichten Varikosis, also einer geringen Ausprägung von Krampfadern, empfohlen.
  • Klasse 2 hat eine mittelkräftige Kompression von 23 bis 32 mmHg und wird unter anderem Patienten mit einer akuten Thrombose verschrieben.
  • Klasse 3 verfügt über eine kräftige Kompression von 34 bis 46 mmHg und wird beispielsweise zur Therapie einer schweren Ödemneigung verschrieben.
  • Klasse 4 ist mit einer extrakräftigen Kompression von mindestens 49 mmHg unter anderem bei Patienten mit Lymphödemen erforderlich.

Medizinische Kompressionsstrümpfe können, ebenso wie Kompressionsstrumpfhosen, im Sanitätshaus und im orthopädischen Fachhandel erworben werden. Achten Sie beim Kauf im Fachhandel darauf, dass Sie eine umfassende Beratung erhalten, denn eine individuelle Anpassung der Strümpfe und damit einhergehend ein genaues Ausmessen der Beine ist bei Kompressionsstrümpfen unerlässlich. Es ist daher ratsam, die Beine morgens möglichst früh ausmessen zu lassen, damit diese noch nicht geschwollen sind. Auch die Massanfertigung von Kompressionsstrümpfen und Strumpfhosen ist möglich, beispielsweise bei extremer Körpergrösse, ungewöhnlich geformten Beinen oder falls eine spezielle Druckverteilung benötigt wird.

Übrigens, nicht nur in der Kompressionstherapie, auch beim Sport kann das Tragen von Kompressions-Kniestrümpfen Venenbeschwerden, geschwollenen Beinen und dem Gefühl von schweren Gliedern entgegenwirken. Der Grund: Sport-Kompressionsstrümpfe steigern durch den kontinuierlichen Druck erwiesenermassen die Leistung der Muskelpumpe und fördern die Regeneration nach dem Sport.


 

Tipps & Tricks zum Anziehen von Kompressionsstrümpfen

Medizinische Kompressionsstrümpfe müssen eng am Bein sitzen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Leider erschwert dies das Anziehen ungemein. Wir raten Ihnen daher dazu, die Strümpfe so früh wie möglich nach dem Aufstehen anzuziehen und sie vor dem ersten Tragen mit der Hand in lauwarmem Wasser zu waschen, damit eine gewisse Dehnbarkeit hergestellt wird. Achten Sie darauf, dass Ihre Fuss- und Fingernägel immer sorgfältig geschnitten und gefeilt sind, um die Kompressionsstrümpfe nicht zu beschädigen.

Zum Überstreifen fassen Sie in den Strumpf hinein und greifen die Ferse. Ziehen Sie nun den Stoff auf links und ziehen Sie den Kompressionsstrumpf bis zur Ferse über den Fuss – so sitzt schon einmal der unterste Teil fest und sicher auf der Haut. Fassen Sie dann den Schaft auf Höhe der Fussmitte und heben Sie ihn über die Ferse. So geht es nun Schritt für Schritt voran in Richtung Knie. Lassen Sie sich dabei Zeit und überprüfen Sie auf jeder Etappe, ob der Stützstrumpf korrekt sitzt und keine Falten wirft.

Zudem gibt es spezielle Anziehhilfen, die beim Überstreifen helfen können. Die Anwendung ist sehr einfach: Der Strumpf wird über ein Metallgestell gespannt und dabei vorgedehnt. So kann der Fuss problemlos hineingleiten und der Stoff schrittweise nach oben gezogen werden.


 

Wie lange sollten Kompressionsstrümpfe getragen werden?

Medizinische Kompressionsstrümpfe sollten den ganzen Tag getragen werden, damit sie die gewünschte Wirkung erzielen. Ziehen Sie sie daher direkt nach dem Aufstehen an und streifen Sie sie erst vor dem Zubettgehen wieder ab. Beim täglichen Gebrauch werden Sie voraussichtlich nach einem halben Jahr eine Erschlaffung der Gummizüge bemerken. Spätestens dann sollten Sie bei Ihrem Arzt nach einem neuen Rezept fragen, denn in der Regel wird Patienten alle sechs Monate ein neues Paar Kompressionsstrümpfe verordnet.


 

So vermeiden Sie Hautreizungen durch Kompressionsstrümpfe

Aufgrund der Tatsache, dass medizinische Kompressionsstrümpfe fast rund um die Uhr getragen werden sollten, kann die Haut unter dem Stoff im Laufe des Tages austrocknen. Ein unangenehmes Spannungsgefühl und Juckreiz sind die Folge. Pflegen Sie Ihre Beine daher am Abend, sobald Sie die Kompressionsstrümpfe ausgezogen haben, mit einer feuchtigkeitsspendenden Creme und gönnen Sie ihnen dabei eine sanfte Massage.


 

Medizinische Thromboseprophylaxe-Strümpfe


Welche Formen von Thrombosestrümpfen gibt es und für wen sind sie geeignet?

Thrombosestrümpfe werden oft als Synonym für Kompressionsstrümpfe verwendet, allerdings besteht zwischen den beiden Strumpfarten ein grosser Unterschied. Während Kompressionsstrümpfe durch Bewegung ihre volle Wirkung entfalten, werden Thrombosestrümpfe von frisch operierten und bettlägerigen Patienten zur Thromboseprophylaxe getragen. Sie finden daher ausschliesslich im Krankenhaus oder in Pflegeeinrichtungen Verwendung. Wer im Alltag lediglich die Gefahr einer Thrombose mindern möchte, greift zu Kompressionsstrümpfen in der vom Arzt oder Fachmann empfohlenen Kompressionsklasse.

Was zeichnet Thrombosestrümpfe aus?

Medizinische Thrombosestrümpfe gibt es in diversen Standardgrössen. Hier entscheidet das Klinikpersonal, was der Patient benötigt. Zur Unterscheidung werden Thromboseprophylaxe-Strümpfe nur in Weiss mit Loch am Fussballen oder mit offener Fussspitze hergestellt. Letztere hat einen praktischen Nutzen: So lässt sich die Durchblutung an den Zehennägeln überprüfen, ohne dass der ganze Strumpf ausgezogen werden muss.


 

Wie lange sollten Thromboseprophylaxe-Strümpfe getragen werden?

Medizinische Thrombosestrümpfe sollten ausschliesslich bettlägerige Patienten tragen. Zum einen sind die Strümpfe im Stehen nicht sonderlich bequem, zum anderen ist das Fussteil mit dem Loch in einem Schuh eher störend. Kompressionsstrümpfe sind hier eine adäquate und alltagstaugliche Alternative.


 

So pflegen Sie Ihre Strümpfe und Strumpfhosen

Ganz gleich ob Sie Strümpfe oder Strumpfhosen als Hilfsmittel zur Kompressionstherapie tragen: Waschen Sie diese regelmässig, am besten nach jedem Tragen, mit der Hand in lauwarmem Wasser. Verwenden Sie dazu entweder ein Spezialwaschmittel oder ein handelsübliches Feinwaschmittel. Manche Stoffe dürfen auch bei 30 Grad in der Waschmaschine gewaschen werden, werfen Sie zur Sicherheit einfach einen Blick auf die Waschhinweise des Herstellers. Nach dem Waschen sollten die Strümpfe weder in den Wäschetrockner gesteckt noch ausgewrungen werden. Am besten trocknen sie auf der Leine, schützen Sie sie dabei allerdings vor direkter Sonneneinstrahlung.


 

Werden Sie aktiv: einfache Übungen für eine bessere Durchblutung


 

Ob am Arbeitsplatz, in der Schlange an der Supermarktkasse, auf einem langen Flug oder während einer Autofahrt: Mit einfachen Übungen können Sie die Durchblutung Ihrer Beine fördern. Ziehen Sie beispielsweise die Zehenspitzen nach oben und senken Sie sie langsam wieder ab. Ebenfalls toll für die Muskeln im Unterschenkel: Lassen Sie Ihren Fuss im Sprunggelenk intensiv kreisen, erste zehnmal rechts herum, dann zehnmal links herum. Auch Wechselduschen und durchblutungsfördernde Massagen können Schwellungen in den Beinen entgegenwirken. Umfassen Sie dafür Ihre Wade mit beiden Händen und üben Sie einen leichten Druck aus, bis sich die Muskulatur spürbar lockert.